Der Zaunkönig
Vogel des Jahres 2004
Mit dem Zaunkönig haben NABU und LBV eine der kleinsten heimischen Arten zum Vogel des Jahres 2004 gewählt. Als allseits bekannter Sympathieträger steht er stellvertretend für viele andere Garten- und Parkbewohner.
Der heimische Zaunkönig, wissenschaftlich Troglodytes troglodytes, ist ein Vertreter der gleichnamigen Familie der Zaunkönige, zu der weltweit rund 70 Arten zählen.
Schon vor 2500 Jahren erzählte Äsop in einer Fabel vom Wettstreit des Zaunkönigs mit dem Adler und um die Krone im Vogelreich.
Wie der Zaunkönig zu seinem Namen kam
Schon bei Aristoteles und bei Plutarch wird der Zaunkönig Basileus (= König) oder Basiliskos (= Königlein) genannt. Und diese Benennung war sehr erfolgreich. Immerhin findet sich der Königsname für den kleinen Kerl in so verschiedenen und weit voneinander entfernten Ländern wie Holland, Litauen, Polen, Schweiz, Frankreich und Italien. Sogar in Japan heißt der Zaunkönig "König der Vögel". Bei uns hat diese Überlieferung aus der Antike die altgermanische Namensform "wrendo" verdrängt, während sie sich im Englischen ("wren") gehalten hat. Andere regionale Bezeichnungen wie "Mäusekönig" oder "Zaunschlüpfer" beziehen sich auf die winzige Gestalt und die Lebensweise des kleinen Vogels.
Kennzeichen:
Der Zaunkönig zählt zu den kleinsten Vögeln Europas. Gerade einmal zehn Gramm wiegt der Vogel. Sein rostbraun gebändertes Gefieder macht ihn auch nicht gerade auffälliger, sondern sorgt im Gegenteil für eine perfekte Tarnung im Unterholz. Charakteristisch ist sein steil aufgerichteter Schwanz. Männchen und Weibchen sind beim Zaunkönig gleich gefärbt. Sein spitzer und leicht gebogener Schnabel kennzeichnet ihn als typischen Insektenfresser. Mit seinen kurzen Flügeln gilt der Zaunkönig als schlechter Flieger, der sich stattdessen überwiegend hüpfend im Gebüsch fortbewegt.
Lautäußerungen:
Das singende Männchen erreicht trotz seiner geringen Größe eine Lautstärke von bis zu 90 Dezibel und sein Gesang ist auf einer Distanz von bis zu 500 Metern zu hören. In der Brutzeit beginnt der "königliche Gesang" um kurz nach vier Uhr in der Früh und endet erst am späten Abend. Bei einer vollständigen vier bis fünf Sekunden dauernden Zaunkönig-Strophe unterscheiden Vogelkundler die Bestandteile "Einleitung – Schmettertour – Zwischentöne – Schmettertour – Zwischentöne – Roller". Bei verschiedenen Anlässen meldet sich der Zaunkönig auch mit einem kurzen "Tik-Laut" und bei Erregung erklingt ein Ruf, der phonetisch beschrieben etwa wie "zerrr" klingt.
Nahrung:
Spinnen, Weberknechte, Motten, Fliegen und andere Insekten sowie deren Eier und Larven stehen auf seinem Speiseplan.
Revierwahl des Zaunkönigs:
Entscheidend für die Revierwahl ist der Faktor Sicherheit. Eine dichte Vegetation in Bodennähe bietet dem Zaunkönig den richtigen Unterschlupf. Die lebensnotwendige Deckung findet er aber auch entlang von Natursteinmauern und selbst künstliche Nischen unterschiedlicher Art können seinen Ansprüchen genügen. Die kugelförmigen Nester des Zaunkönigs wurden schon in alten Briefkästen, leeren Blumentöpfen oder verlassenen Schwalbennestern entdeckt. Berichte über Nester in Hosentaschen, von alten Kleidungsstücken, die längere Zeit über einem Zaun hingen, oder Bruten in übrig gebliebenen Adventskränzen führen eine ganze Liste kurioser Brutorte an.
Fortpflanzung:
Das Zaunkönigmännchen baut zumeist mehrere kugelförmige Nester, von denen sich das Weibchen das geeignetste Werk aussuchen darf. Sie richtet die zukünftige "Kinderstube" dann mit dem richtigen, ausgepolsterten Innenleben aus Moos, Federn oder Haaren ein. Oft liegen die Zaunkönignester in Wurzeltellern umgestürzter Bäume oder in ausgewaschenen Wurzelstöcken an Bachufern, manchmal findet man sie auch zwischen Holzbalken und selbst in ausgedienten Konservendosen. Männchen sind polygam.

Einmal im Jahr zwischen Ende April und Anfang Mai legt die "Zaunkönigin" fünf bis acht winzige Eier. Zaunkönig-Eier wiegen weniger als 1,4 Gramm und sind gerade einmal 17 x 12,5 Millimeter groß. Das Brutgeschäft, das zwischen 14 und 18 Tagen dauert, übernimmt allein das Weibchen. Nachdem die Jungen 10 bis 12 Tage lang im Nest gefüttert wurden, verlassen sie gemeinsam das Nest und bleiben noch einige Zeit als Familienverband zusammen.

Verbreitung:
Der Zaunkönig kommt nahezu weltweit vor. In Mitteleuropa ist der Zaunkönig überwiegend Standvogel.

Bestandsentwicklung:
Der Zaunkönig gehört in Europa zu den häufigsten Vogelarten. Die Liste der Brutvögel Deutschlands führt den Zaunkönig mit 1,5 bis 2,2 Millionen Brutpaaren.
Alter:
Nachgewiesenes Höchstalter sieben Jahre.
Text: Tabea Lüth, verändert nach www.nabu.de.
Abbildungen: NABU/R. Gross, NABU/F. Naumann, NABU/Anon.